Verfasst von: torenia | 29. Dezember 2010

Technikkram

Ich habe seit dem Sommer eine neue Digitalkamera.
Nachdem meine kleine Kompakte schon etliche Jahre alt ist und die Bilder auch nicht mehr wirklich klasse aussehen, habe ich mir vor einigen Monaten ein ganz schickes Modell geleistet. Von meinen ersten Versuchen habe ich hier auch erzählt – und vor allem davon, wie ich mich gerade gemütlich über die zweite Seite der Bedienungsanleitung hermachen wollte, als mein Sohn schon mit den ersten gestochen scharfen Nahaufnahmen eines Meerschweinohres kam. *frustriert guck*
Seither liegt die Kamera relativ unbeachtet auf dem Schrank und staubt ein wenig ein. Ich fotografiere weiterhin hauptsächlich mit meiner Kompaktkamera, weil ich die einfach kenne und mich mit der Neuen noch nicht angefreundet habe. Ja, ich tu mich da schwer…

An Heiligabend wollte ich dann doch mal ein paar Fotos mit der neuen Kamera machen.
Die Kinder hatten ein “Programm” ausgearbeitet mit jeder Menge kleiner, niedlicher Darbietungen. Und da wollte ich dann auch mal einen kleinen Videoclip drehen.
Sollte kein Problem sein, das konnte ich mit meiner alten Kamera ja auch. War dann aber doch schwieriger, als ich dachte, weil die Kamera zwar anzeigte, dass sie prinzipiell bereit wäre zu filmen – aber dann doch immer nur ein verwackeltes Foto machte. Seltsam. Doofes Ding! 
Ich schimpfte ein bisschen vor mich hin, machte unfreiwillig das siebte verwackelte Bild in Folge, da schaute mir mein Sohn kurz über die Schulter und meinte “Du musst doch auch DEN Knopf hier nehmen, Mama. DAMIT filmt man. NICHT mit DEM hier…” Ööööhhhh… Okay?!?! Stimmt. Funktioniert. Warum nur weiss ICH sowas nicht? Und woher weiss ER sowas???

Seit Jahren habe ich ein und das selbe Handy. Macht nix. Ich brauche mein Handy auch nur als Notfallhandy, um für die Kinder erreichbar zu sein. Ab und zu schreibe ich einer Freundin eine SMS. Das war’s auch schon. Mehr mache ich nicht damit. Und mehr muss es auch nicht können.

Als meine Tochter in die weiterführende Schule kam, hatte sie einen 1-stündigen Schulweg mit 3 mal umsteigen. Und das, wo sie hier in einem kleinen Dörfchen in einer Mini-Schule die ganze Zeit so wohlbehütet aufgewachsen war. Ausserdem war sie nie zuvor mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Also war es erstmal ein kleiner Kulturschock, als sie in eine Schule kam, die so viele Schüler hatte, wie unser Dorf Einwohner. (Für MICH war der Kulturschock und das Gefühl, meine kleine Tochter in die große böse Welt zu entlassen, vermutlich deutlich schlimmer… *grins*)
Ich kaufte ihr damals ein Handy, damit sie mich anrufen konnte, wenn unterwegs irgendetwas sein sollte. Eben ganz klassisch: Bus verpasst. Oder eine Stunde ausgefallen. Oder irgendwas…

Mein Sohn jammert nun seit 2 Jahren, er braucht auch UNBEDINGT ein Handy. Nein, gibt’s nicht. Sobald er in die weiterführende Schule kommt, bekommt er auch eines. Vorher sehe ich da keine Notwendigkeit.
Nun ist es aber so, dass er mit seinem Turnen oft auf sich alleine gestellt ist. Ich lasse ihn abends um kurz vor 18 Uhr an einer Sporthalle irgendwo in der nächsten Stadt raus, gehe 2 Stunden einkaufen oder mache sonstwas und hole ihn dann um 20 Uhr wieder vor der Sporthalle ab. So manches Mal habe ich schon gedacht, was wohl wäre, wenn das Training ausfällt oder wir nicht mitbekommen hätten, wenn es abgesagt würde oder was auch immer. Dann würde er jetzt im Winter im schlimmsten Falle 2 Stunden vor der Sporthalle in der Dunkelheit und Kälte herumstehen müssen, weil er mich nicht erreichen kann. (Und um ihn jeden Abend in die Halle zu begleiten, um solche Situationen zu vermeiden, dazu habe ich nun wirklich keine Lust mehr. Dafür ist er mittlerweile auch einfach zu gross. Ist ja langsam auch peinlich, mit der Mama aufzulaufen. *lach*)
Jedenfalls habe ich in letzter Zeit immer öfter mal gedacht, dass es vielleicht doch ganz beruhigend wäre, wenn er ein Handy hätte. In einem halben Jahr kommt er sowieso in die weiterführende Schule – also läge ich ja gar nicht sooo weit von meiner bisherigen Argumentation entfernt.

Tja. Damit beginnt aber auch schon das nächste Problem. Was kauft man denn heutzutage für ein Handy? Ich habe doch von diesem ganzen neuen Technikkram keine Ahnung… Ja, ich rede schon, wie meine Oma. Aber diese ganze Entwicklung ist einfach an mir vorbei gegangen. Ich blick da nicht durch. (UND ich habe auch keine Lust drauf, mich da kundig zu machen – ich geb’s zu.)
Vor einiger Zeit hatte ich mir mal einen iPod gekauft, der wirklich ganz schick war. Aber ich brauche so ein Ding eigentlich nicht, wie ich feststellen musste, und daher habe ich es vor Weihnachten wieder bei ebay verkauft (und dabei seltsamerweise sogar noch 20 Euro mehr bekommen, als ich für das Neugerät ausgegeben hatte… *kopfschüttel*)
Mit den Handys genau das selbe. Gibt es überhaupt noch so ganz normale Handys zum Telefonieren und SMS schreiben? Die Dinger, die meine Studenten mittlerweiler immer dabei haben, die können ja alles, ausser Kaffee kochen. Das sind so Teile, mit denen man im Internet surfen, fotografieren und filmen, Musik hören und was auch immer noch alles kann. Brauch ich nicht. Braucht mein Sohn erst recht nicht. (Naja. Für Letzteres würde ich nicht wirklich mein Hab und Gut verwetten…)

Ich hab dann hin und her überlegt.
Wäre ja Quatsch, wenn ich ihm jetzt ein Handy kaufen würde, das eben “nur” zum Telefonieren ist. Das wäre dann ja ein gaaaaanz “altmodisches” Ding und dann haben wir drei von diesen altbackenen Handys daheim. (Meines, DAS meiner Tochter und eben seines.)
Aber meinem Sohn jetzt eines dieser modernen SmartPhones zu kaufen, das sehe ich auch nicht ein. Er ist 9 Jahre alt. Es wäre sein erstes Handy. Nein, das halte ich dann doch für übertrieben.

Also beschloss ich, dass ICH mir ein neues Handy leisten werde – und er dafür mein altes bekommt.
Zwar, wie oben geschrieben, brauche ich keinen Schickimickitüddelidü-Kram am Handy; aber man will ja mit der Zeit gehen und soll sich Neuerungen gegenüber nicht verschließen. (Habe ich zumindest damals, vor 12 Jahren, gepredigt, als mein Vater eine Reiseschreibmaschine statt eines PCs kaufen wollte, weil er meinte, er bräuchte keinen PC, um mal einen Brief zu schreiben… *lach*)
Vielleicht ist ja an so einem neuen Handy doch irgendetwas dran, das ich ganz nützlich finde…

Dummerweise habe ich keinen Spass daran, neue Techniken auszuprobieren. Bis ich ein neues Gerät kenne und damit umgehen kann, dauert es. Und so lange macht es mir auch wirklich keinen Spass, mich damit zu beschäftigen.
Ich bin einfach ein Gewohnheitstier…
Also beschloss ich, dass ich wenigstens bei der mir vertrauten Marke bleibe, und mir ein Nokia-Handy kaufe. Was die Sache natürlich auch vereinfacht, denn jetzt musste ich mich wenigstens nicht mehr zwischen 100 Modellen entscheiden, sondern es reduzierte sich auf übersichtliche 4 oder 5 Nokia-Modelle.

Also bin ich seit wenigen Tagen Besitzerin eines Nokia Smartphones. Jawohl.

Mein Sohn bekam zu Weihnachten mein altes Handy überreicht.
Ich überlegte mir noch, ob es nicht etwas SEHR peinlich ist, (m)ein gebrauchtes Handy zu Weihnachten zu verschenken – aber er freute sich wie verrückt und konnte sich kaum wieder einkriegen…
Na, super! Da freu ich mich mit ihm.

Meine Tochter bekam große Kulleraugen, als sie dann MEIN neues Handy sah. “Ein Touchscreen!” *begeistert staun*
Na, mich begeisterte das weniger und es beeindruckt mich auch wenig. Ich weiss ja noch nicht mal, wo ich das Teil überhaupt anschalte. Wie ich es bediene, das weiss ich erst recht nicht. *seufz*
“Ach, Mama. Du kannst auch MEIN Handy haben. Ich nehme dafür dann Deines.” Ähm. Jaaaa… Neeeee… Verlockender Gedanke – aber SO schnell gebe ich mich dann doch nicht geschlagen.
“Aber Mama. Fast ALLE in meiner Klasse haben so ein Touchscreen-Handy und geben damit an. Die hören Musik damit und sowas. Und ich will auch mal sowas haben.” *seufz*
Hätte sie noch 2 Minuten weiter gebettelt, ich glaube, ich hätte ihr mein Handy gegeben…

So aber beschloss ich, dass ich erstmal versuchen werde, Freundschaft zu schließen. Ich hatte ja jetzt knapp 2 Wochen Zeit, mich damit zu beschäftigen.
Ich legte mir die Bedienungsanleitung zurecht, damit ich sie mit in den Schwarzwald nehmen kann, um sie in aller Ruhe zu studieren.

In diesem Moment begann dann auch mein neues Handy zu signalisieren, dass eine SMS eingegangen sei. So. Und jetzt? Wie soll ich die finden? Kein Problem, meine Tochter öffnete mir die SMS, sah, dass es ein Geburtstagsgruß an SIE war, und schickte auch prompt eine Antwort. Öööööhhhhh… Woher sie wusste, wie das geht – keine Ahnung. Ich glaube, Kinder machen sowas intuitiv. Die haben einfach keine Hemmungen und fürchten sich nicht, irgendetwas zu verstellen und aus Versehen irgendetwas ganz SCHLIMMES zu machen… *grins*
ICH kann sowas jedenfalls nicht. Ich habe noch immer keine Ahnung, wie ich mit dem Ding telefoniere. Wenn ich eine Nummer wähle, dann ruft das blöde Ding einfach nicht an, behauptet irgendetwas Merkwürdiges und ich bin sicher, es grinst dabei ganz hämisch vor sich hin… Ich mag das Teil nicht, glaube ich. *motz*

Tja. Erwähnen brauche ich nicht, dass noch an Heiligabend mein Sohn mit meinem Handy ein Foto von mir gemacht hat und dieses als Hintergrund eingerichtet hat? WIE er das machte? Woher soll ICH das wissen? Ich hab auch keine Ahnung, wie ich das wieder wegbekommen – es ist ein ganz schreckliches Foto von mir. Sehr peinlich!
Und meine Tochter machte Fotos von mir und verzierte meinen Kopf mit Nikolausmützen. *ächz* WIE sie das machte? Ja, ICH weiss doch sowas nicht… *schulterzuck*

Bin ich wirklich schon SO alt????
Manchmal komme ich mir vor, wie meine eigene Grossmutter.
Und am schlimmsten finde ich, dass ich diesem ganzen Technikkram noch nicht mal aufgeschlossen begegnen kann. Ich rede genauso, wie “die alten Leute”, über die ich mich früher schrecklich aufgeregt habe. “Ich brauch doch sowas nicht.” “Ich kann das nicht.” “Wozu braucht man denn sowas?” “Was sind das denn für neumodische Spielereien?” “Wozu soll das gut sein?” “Nein, ich will das gar nicht.” …
Schlimm!!!!!!!!!!


Antworten

  1. [...] hab ich ja jetzt ein neues Handy. Und heute ließ ich mich zum ersten Mal vom Handywecker wecken. Wunderbar. Nettes Tonsignal, immer [...]

  2. [...] *lach* Töchterlein ist jetzt ebenfalls superstolze Besitzerin eines TOUCHSCREEN-Handys. Und sie kriegt sich kaum mehr ein… :-) Heute morgen ist sie extra Bus statt Fahrrad [...]

  3. [...] wie mein Handy, das ewig erstmal herumlag, ehe ich mich daran machte, die SIM-Karte aus dem alten Handy auszubauen [...]


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